Für üblich landet bei mir die Süssigkeit aus Kakao im Mund. Doch diese Schoggi trägt auf eine ganz andere Weise zum körperlichen Wohlbefinden bei – von Verpackungsgestaltung und Chemie Experiment.

Die Badeschoggi hat mit Kakao nur wenig zu tun – es ist eine Sprudelseife, die sich in heissem Wasser auflöst. Mit gewissen Zutaten wie Milchpulver, Kakaobutter und Natron kann man die Badeschokolade zu Hause selber herstellen. Als ich das erste Mal eine liebevoll handgemachte Tafel in den Händen hielt, war mir sofort klar: Ich gestalte dazu eine Verpackung.

Eine Badeschokolade präsentiert sich als Schockolade und ist doch keine. Deshalb darf die Verpackung eine Eigenständigkeit aufweisen – schliesslich soll die Tafel nicht gegessen werden. Konfiserien beispielsweise verkaufen ihre hausgemachte Schokolade in Zelofantüten. Bei herkömmlichen Verpackungen aus dem Supermarkt sind die Tafeln in Alufolie und Papier eingewickelt.

Badeschokolade - Verpackungsgestaltung - Herr Bürli

Simpel soll die Verpackung funktionieren und wie eine Zundholzschachtel wieder verschliessbar sein.

Badeschokolade - Verpackungsgestaltung - Herr Bürli

Zuerst skizzierte ich ein paar Ideen: Eine Schachtel mit Deckel, ein Klappdeckel, eine Faltschachtel. Anschliessend entwarf ich Papierdummies. Dort erhielt ich ein erstes Gefühl für die Verpackung. Ich entschied mich, wie bei einer Zundholzschachtel, für ein Schubladensystem mit Sichtfenster. Handlich, leicht zu öffnen und wiederverschliessbar.

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Im Illustrator erstellte ich die Schnittformen für die Schublade und die Hülle. Parallel dazu suchte ich passende Papiere aus. Obwohl ein gestrichenes Papier resistenter gegen Feuchtigkeit und Fett ist, schwante mir ein voluminöses Naturpapier vor. Die Oberfläche darf sich weich und fasrig anfühlen. Mit dem Schneideplotter gab ich die Schnittmuster aus. Hätte ich dieses Gadget doch schon während dem Studium gehabt!

Badeschoggi mit Tante Emma Feeling

Bei der Gestaltung reduzierte ich mich auf Typografie, Farbe und Formen. Ich wollte nicht zu sehr von der Schokolade ablenken. Inspiriert von Verpackungen aus den 50er Jahren, wählte ich Pastellfarben und die Retro-Display-Font Bazar. Die Banderole ordnete ich diagonal an, um die rechten Winkel zu brechen.

Badeschokolade - Verpackungsgestaltung - Herr Bürli
Badeschokolade - Verpackungsgestaltung - Herr Bürli
Badeschokolade - Verpackungsgestaltung - Herr Bürli

In Handarbeit falzte und klebte ich die verschiedenen Elemente zusammen. Die Schublade verzeiht einem keine Schlamperei, sonst sitzt diese zu locker oder zu fest.

Die Verpackung besteht aus fünf Teilen: Schublade, Hülle, Banderole, Sichtfenster und Einlageblatt. Die geschnittenen Teile müssen gefaltet und geklebt werden. Da ich verhindern wollte, dass sich das Papier vom Fett der Schokolade vollsaugt, ist die Schublade mit einem Einlageblatt aus Bildpapier ausgekleidet. Der Clou an der Sache: Wenn die Schockolade langsam aufgebraucht wird, kommt auf dem Einlageblatt ein Spruch zum Vorschein, eine sogenannte «Badeweisheit».

Getrocknete Blüten

Um die Schokolade herzustellen, hat meine Frau unsere Küche kurzerhand in ein halbes Labor verwandelt. Die verschiedenen Zutaten kochte und goss sie in eine Schockoladenform. Die Rohmasse lässt sich mit ätherischen Ölen und Blüten veredeln. Wir haben uns für Rosen und Lavendel entschieden. Vor dem Giessen werden getrocknete Rosenblätter in die Form gestreut – in der Badewanne ist das der absolute Kracher. Eine Tafel reicht ungefähr für 6 – 8 Wannen. Die Haut fühlt sich danach Baby-Popo-weich an.

Im 18. Jahrhundert war ein eigenes Badezimmer der Inbegriff von Status und Reichtum. Manche Adelige hielten in ihren Badezimmern sogar Audienzen ab.

Badeweisheit Nr. 148

Badeschokolade - Verpackungsgestaltung - Herr Bürli

Die selbstgefertigte Badeschoggi in den Händen zu halten, ist einfach schön. Natürlich würde die Verpackung nicht dem Industriestandard standhalten – aber wen interessiert das schon. Bisher haben wir die Badeschokolade vorallem als Geschenk verwendet. Und es hat tatsächlich noch keiner reingebissen – zumindest hats noch niemand zugegeben.

Beitrag auf «The Dieline»

Beitrag auf «Packaging of the World»

Badeschokolade - Verpackungsgestaltung - Herr Bürli